SOLARBOOTE FÜR DIE DALYAN REGION IN DER TÜRKEI
Im Rahmen der Durchführung des CAN-Projektes 2004 konnte die AgA durch eine Datenerhebung den Einfluss des starken Bootsverkehrs auf die Population gefährdeter Tierarten im Dalyan/Köycegiz-Sonderschutzgebiet dokumentieren.
Die Ausflugsboote stellen ein großes Problem dar. Die im Fluss lebenden Tiere - darunter auch die seltene Nilweichschildkröte Trionyx triunguis - werden nicht selten durch die Schiffsschrauben verletzt.
Die Nilweichschildkröte ist eine bis zu 1,20 m große süßwasserlebende Schildkrötenart. Dem Trionyx-Vorkommen in Dalyan kommt insbesondere deshalb eine große Bedeutung zu, weil es sich hier um eine der größten Restpopulationen dieser Art in der mediterranen Region handelt.
Die von der AgA angestrebten Schutzmaßnahmen für diese seltene Schildkrötenart werden von der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) und der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) e.V. unterstützt. Man hat nun ein Projekt gestartet, um diese Boote mit Solarmodulen auszustatten. Derzeit wird ein erstes "Vorzeige-Boot" von einem deutschen Experten auf Solarantrieb umgerüstet.
UVS / DGS Projekt in der Türkei
Nur mit einer Waage und einem Notebook "bewaffnet" machte sich der Solarbootexperte Wolfram Appel Ende November auf den Weg in den Südwesten der Türkei in seiner Mission bedrohte Schildkröten mit Solarbooten zu retten.
Der Reihe nach: Im Südwesten der Türkei gibt es ein Naturschutzgebiet mit vielen bedrohten Tierarten, darunter vor allem seltene Schildkröten. Ein großes Problem sind die Boote, die mit Dieselmotoren das Wasser verschmutzen und mit hohen Geschwindigkeiten Tiere verletzen. Zugleich sind diese Boote aber die Grundlage für den örtlichen Tourismus und den Wohlstand der Region. Die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) hatte bereits im Sommer ein Projekt gestartet, um auf die Probleme hinzuweisen. Schnell wurde klar, dass die Problemlösung Solarboote wären. Offen blieb aber die Frage, ob sich die Boote auch für den Solarantrieb eignen. Vor Ort waren einige skeptisch andere aber so aufgeschlossen; dass die AGA beschloss, einen Solarbootexperten mit einer Untersuchung zu beauftragen.
Gemeinsam mit der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft fand man Sponsoren für die Reise, darunter das türkische Reiseunternehmen Öger-Tours, das die Flugkosten übernahm. Ende November war es dann so weit: Der Ingenieur Wolfram Appel bestieg mit seiner Waage den Öger-Flieger und in Antalya den Bus bis er viele Stunden später endlich in dem kleinen Ort ankam.
Dort packte er die Waage aus und begann gemeinsam mit den hilfsbereiten Gastgebern, die Widerstände zu messen, die die Bootsantriebe überwinden müssen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die Boote können auf Solarantrieb umgerüstet werden. Vorraussetzung ist lediglich, dass am Bootsrumpf ein paar Veränderungen vorgenommen werden. Als Nächstes geht es darum, die Umrüstung für das erste Boot und die Messungen zu finanzieren. An dieser Suche wird sich jetzt auch die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) beteiligen.
Das Solarboot soll ein Vorzeigeprojekt werden, damit möglichst viele Boote in der Region folgen. Die Chancen hierfür stehen gut. In der Türkei sind die Bootsdieselpreise sehr hoch und werden vermutlich in den nächsten Jahren weiter steigen. Zugleich ist in den nächsten Jahren mit fallenden Solarmodulpreisen zu rechnen. Die Schildkröten und der örtliche Tourismus haben damit wieder eine Zukunft - eine Zukunft mit Solarschild. (Quelle: www.solarwirtschaft.de)
> Projektbericht (PDF, 748 KB)
www.dgs.de
www.solarwirtschaft.de
www.oeger.de
Jungfernfahrt für das erste Solarboot in Dalyan
In unserem Rundschreiben 1/2005 haben wir über den ansteigenden Bootsverkehr zwischen Köycegiz/Dalyan und den damit verbundenen Folgen auf das Ökosystem berichtet.
Durch die Bemühungen der DGS/UVS konnte nun ein erstes dieselbetriebenes Touristenboot mit Solarmodulen ausgestattet werden. Tourismusminister Attila Koc, der Bürgermeister von Dalyan und der Gouverneur der Provinz Mugla, haben dieses Solarboot am 05.08.2005, in Anwesenheit von zahlreichen Presse- und Medienvertretern der Öffentlichkeit vorgestellt und eingeweiht. Minister Koc zeigte sich begeistert von der neuen Errungenschaft und versprach für weitere Umweltschutzprojekte finanzielle Mittel bereit zu stellen.
Wir hoffen, dass möglichst viele Bootseigner in dieser Region dem guten Beispiel folgen werden und der “sanfte Tourismus” auch in Dalyan zunehmend an Bedeutung gewinnt.
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